Die westafrikanische Religion Voodoo



Philipps-Universität Marburg
FB 03 - Gesellschaftswissenschaften und Philosophie
Studiengang B. A. Vergleichende Kultur- und Religionswissenschaften
Sommersemester 2009
Religionswissenschaft
SE: Afrikanische Traditionale Religion und ihre Begegnung mit Christentum und Moderne
Leitung: Prof. Dr. Richebächer
Abgabe: 12.06.2009



Die westafrikanische Religion Voodoo




Inhaltsverzeichnis



1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten
2.1 Naturreligionen
2.2 Naturreligionen in Benin, Ghana und Togo

3. Allgemeiner Kontext
3.1 Was heißt Voodoo
3.2 Geschichte des Voodoo
3.3 Gemeinsamkeiten einer Religion ohne Dogma

4. Das voodooistische Pantheon
4.1 Götter des Voodoo
4.2 Dienende Geister
4.3 Voodoo-Puppen
4.4 Dämonen und Elementargeister

5. Schlussbetrachtung
5.1 Begegnungen mit dem Christentum
5.2 Schlussbemerkung

6. Fußnoten
7. Literaturverzeichnis


1. Einleitung


Im folgenden Beitrag werde ich die westafrikanische Naturreligion Voodoo untersuchen und erläutern. Dies geschieht im weiteren Rahmen durch die Darlegung der Hintergründe und Bestandteile dieser Religion, die im westlichen Kulturkreis als satanistische Praktiken abgetan werden. Voodoo unwillkürlich spuken den meisten Zeitgenossen Horrorvisionen durch den Kopf: mit Nadeln gespickte Puppen, die Menschen Höllenqualen bereiten und Tote, die des Nachts Gräbern entsteigen und ihr Unwesen treiben. Geschichten, die uns kalte Schauer über den Rücken jagen. Voodoo gilt als gefährlich und als Werkzeug des Teufels. So soll es Menschen geben, die Voodoo-Praktiken ausüben, um andern zu schaden und etwas für sich zu erreichen. Dieses negative Bild vervielfältigt sich durch die christlich geprägte Furcht vor dem Okkultismus und dem nicht ganz unbeträchtlichen Einfluss der Medien und des Horror-Genres. Eine Menge fundamentalistische Christen bekämpfen daher diese in ihren Augen schadhafte Hexerei und Götzenverehrung durch grobe missionarische Mittel.1 Dabei ist es nicht ratsam, exotische Religionen von vornherein abzulehnen und zu verallgemeinern. Was unter dem Begriff Voodoo zusammengefasst wird, entpuppt sich bei genauerer Untersuchung als ein vielfältiges Phänomen mit unterschiedlichen Riten und einem vielschichtigen Pantheon. Eine genaue Differenzierung ist also notwendig, um eine sachlich richtige Beschreibung sowie ein daraus resultierendes aussagekräftiges Gesamtbild erstellen zu können. Ich werde zum allgemeinen Verständnis zunächst einige Begrifflichkeiten darstellen, ehe ich die Definition und die historischen Hintergründe darlege. Im weiteren Verlauf werde ich dann näher auf die einzelnen Strukturen und bestimmte Riten eingehen und diesen Beitrag mit einer darstellenden Begegnung mit dem Christentum abschließen. Für diese Thematik steht umfangreiches Arbeitsmaterial zur Verfügung. Bei meinen Recherchen wurde jedoch ersichtlich, dass es kaum Quellen gibt, die meiner Ansicht nach wirklich objektiv mit diesem Thema umgehen. Entweder wird die Voodoo-Religion verteufelt oder glorifiziert, es gibt kaum objektive Internetquellen. Ich werde daher auch auf die einschlägige wissenschaftliche Sachliteratur zu diesem Thema zurückgreifen, um eine objektive Darstellung überhaupt gewährleisten zu können. Ich hatte mich in der Vergangenheit hauptsächlich mit monotheistischen Religionen auseinandergesetzt, es ist also eine interessante Erfahrung, einmal eine polytheistische Naturreligion zu untersuchen. Daher hatte ich ein großes Interesse daran, im Rahmen des Seminars Afrikanische Traditionale Religion und ihre Begegnung mit Christentum und Moderne mich mit einer solchen traditionellen Religion auseinanderzusetzen.

2. Begrifflichkeiten


2.1 Naturreligionen


Der Terminus Naturreligion bezeichnet in der Regel die Religionen schriftloser Völker. Angehörige anderer Glaubensrichtungen verwenden sehr häufig synonyme Begrifflichkeiten, wie Primitivreligionen , archaische Religionen , Stammesreligion , oder Elementarreligion . Dabei handelt es sich jedoch um wertende Ausdrücke, die in einer objektiven Betrachtung nichts zu suchen haben. Auch handelt es sich bei einer Naturreligion keineswegs um eine nicht geoffenbarte Religion, wie es oftmals angenommen wird. Der Begriff bezeichnet vielmehr die Religion sogenannter Naturvölker, also isolierte Ethnien, die fernab von industrialisierten und technologisierten Zivilisationen im Einklang mit der Natur leben. Im Großen und Ganzen unterscheiden sich die Naturreligionen kaum von den Schrift- oder Hochreligionen. Auch der Anhänger einer Naturreligion glaubt sich von höheren, übermenschlichen Mächten abhängig und ordnet sich ihnen ebenso unter, wie der Gläubige einer Hochreligion. Ein bedeutender Unterscheid ist jedoch, dass Naturreligionen keine Heiligen Schriften besitzen und die Überlieferungen mündlich tradiert werden. Da weder ein einheitliches System noch eine dogmatische Schrift besteht, existiert kein universaler Anspruch und jegliche religiöse Vorstellung bezieht sich auf die eigene Gemeinschaft. Die Naturreligionen sind an die einfachen Sozialstrukturen gebunden und die lokalen Gottheiten unterscheiden sich von Stamm zu Stamm und der jeweiligen wirtschaftlichen Funktion der Stammesangehörigen. Zu dem gibt es verschiedene Geister, Dämonen und Mischwesen, die auf den spirituellen Kulturkreis der Naturvölker Einfluss nehmen. Ein weiterer Bestandteil vieler Naturreligionen sind Hexerei, Zauberei und Magie, mit dem Ziel Krankheiten zu bewältigen oder sich vor einem notwendigen Übel zu schützen. Die religiöse Praxis ist pragmatisch ausgerichtete, das heißt es werden nur solche Kräfte verehrt, die helfen können und auch helfen wollen. Voodoo steht mit diesen genannten Merkmalen insofern im Kontext, als das es sich dabei um eine traditionelle Naturreligion handelt, die in abgeschwächter Form auch im westlichen Kulturkreis praktiziert wird.2

2.2 Naturreligionen in Benin, Ghana und Togo


Es ist wohl dem Kolonialismus und der zunehmenden Christianisierung zu verdanken, dass die ursprünglich aus Westafrika stammende Naturreligion heute nur noch in den afrikanischen Staaten Benin, Ghana und Togo zu finden ist.3 Die Republik Benin ist seit 1960 ein unabhängiger Staat. Seit dem 15. Jahrhundert befand sich das afrikanische Land unter abwechselnder europäischer Herrschaft und hatte unter Versklavung und Zerstörung seiner traditionellen Kultur zu leiden. Mit einer Gesamtfläche von 112.622 kmý entspricht die Größe der Republik Benin ungefähr der Gesamtfläche der neuen deutschen Bundesländer. Benin besitzt rund 8,8 Millionen Einwohner, von denen die meisten Menschen den traditionellen Glauben nicht aufgeben, obwohl sie sich offiziell zu anderen Religionen bekennen. Die größte offizielle Religion ist das Christentum mit einem Bevölkerungsanteil von ca. 35 %. Zum Islam bekennen sich inzwischen 25 % der Einwohner. Obwohl sich nur noch 17 % der Bevölkerung offiziell zum Voodoo bekennen, geht das Auswärtige Amt von einer Dunkelziffer aus, die etwa 60-70 % der Bevölkerung ausmacht.4 In der Republik Togo zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Auch dieses Land hatte ab dem 16. Jahrhundert unter nachhaltiger europäischer Kolonisierung und Sklaverei zu kämpfen, bis es 1960 seine Unabhängigkeit erreichte. Togo besitzt eine Gesamtfläche von 56.785 kmý und ist somit in etwa so groß, wie die Bundesländer Hessen und Baden-Württemberg zusammen. Es leben 6,4 Millionen Menschen in der Republik, von denen sich 30 % zum Christentum und 30 % zum Islam bekennen. Obwohl sich hier 40 % der Bevölkerung zum Voodoo bekennen, geht das auswärtige Amt auch hier von einer Dunkelziffer aus, welche die Hälfte der Einwohnerschaft übersteigt.5 Das religiöse Leben in der Republik Ghana hingegen verläuft etwas anders, als das in den beiden anderen Staaten. Hier leben die religiösen Gemeinschaften weitgehend so symbiotisch zusammen, dass die Grenzen zusehends verwischen und eine genaue Differenzierung kaum möglich machen. Trotz der frühen Kolonisierungsversuche durch europäische Länder im 16. Jahrhundert, gelang es dem einstigen militärisch starken Königreich Ashanti (heute Ghana) bis zum 19. Jahrhundert erfolgreich Widerstand zu leisten. Erst 1957 konnte sich das heutige Ghana wieder von Großbritannien lösen und unabhängig werden. Ghana besitzt eine Gesamtfläche von 238.537 kmý und hat ca. 20,5 Millionen Einwohner. Trotz Vermischung und unklarer religiösen Differenzierung geht das Auswärtige Amt davon aus, dass sich jeweils 30 Prozent der Einwohner zum Christentum und Islam bekennen, während 40 % der Einwohner innerhalb der Naturreligionen anzusiedeln sind.6

3. Allgemeiner Kontext


3.1 Was heißt Voodoo?


Das Wort Voodoo ist ein haitianischer Abkömmling vom afrikanischen Wort Vodun und stammt ursprünglich aus der Fon-Sprache, die auch heute noch in Benin gesprochen wird. Die Bedeutung des Wortes ist Gottheiten oder Geister , wobei die Anhänger des Voodoo davon ausgehen, dass es sich hierbei um machtvolle und unergründliche Wesen handelt. Der hauptsächliche Zweck dieser Religion ist die praktische Lebenshilfe. Voodoo ermöglicht den Menschen im weiträumigen Maße, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und ihr Leben sogar zu verbessern. Die Götter und Geister der Voodooisten erlauben ihnen ausdrücklich durch Magie in den Lauf der Dinge einzugreifen. Dadurch ist der Mensch nicht nur in der Lage, positive Energien zu verstärken, sondern kann mit magischer Hilfe schadhafte negative Kräfte aus dem Weg räumen. Voodoo wird heute hauptsächlich in den afrikanischen Staaten Benin, Ghana und Togo im traditionellen Sinne praktiziert. Es ist aber auch in den karibischen Staaten Haiti und der Dominikanischen Republik zu finden, wo es als Staatsreligion anerkannt wird. Die voodooistische Religion wird in abgewandelter Form auch in Kuba (hier Santeria genannt) und Brasilien (hier unter den Begriffen Umbanda, Macumba und Candomble bekannt) praktiziert. Die unterschiedlichen Strömungen der Voodoo-Religion lassen sich durch das unterschiedliche Verhalten der Sklaventreiber zu ihren Sklaven und somit auch durch Unterschiede in der Vermittlung des katholischen Glaubens erklären. Auch der schlechte Ruf dieser Religion liegt im Ursprung seiner Geschichte.7

3.2 Geschichte des Voodoo


Im Zuge des Kolonialismus wurden ab Beginn des 16. Jahrhunderts viele afrikanische Menschen aus ihren Dorfgemeinschaften gerissen und als Sklaven an europäische Händler verkauft. Obwohl die Kolonisten sie intensiv zum christlichen Glauben zwangen, versuchten die Sklaven sowohl an ihrer ursprünglichen Religion, als auch an ihrer eigenen traditionellen Identität festzuhalten. Die besondere Schwere der Versklavung und Zwangsmissionierung und der damit einhergehenden Schändung der afrikanischen Kultur, lässt sich unter anderen damit begründen, dass die Afrikaner ein sehr starkreligiöses Volk sind und ihre Religion eines der stärksten Elemente in ihrem Leben ist. Die afrikanische Weltanschauung beinhaltet ein Ausfüllen der Religion in allen Lebensbereichen, ohne dass eine weltliche und spirituelle Trennung vorgenommen wird. Die Afrikaner und ihre Religion sind untrennbar miteinander verbunden und eine Lossagung von ihrer Religion hat den Verlust ihrer Identität zu Folge.8 Die Kolonisten waren auf die Arbeitskraft der Sklaven angewiesen, da sie durch eingeschleppte Krankheiten und Zwangsarbeit die Bevölkerung der neuen amerikanischen und karibischen Kolonien stark dezimiert hatten und nun eine Vielzahl an neuen und billigen Arbeitskräften benötigten. Zusammen mit den Sklaven kam auch ihre Religion in die Kolonien und etablierte sich besonders stark in Haiti. Die Kolonialherren verboten die Naturreligion der Sklaven und ordneten eine systematische Zwangsmissionierung an. Da die Sklaven durch Folter und Brandmarkung bestraft wurden, wenn sie ihre Religion weiter ausübten, mussten sie auf zahlreichen Tricks zurückgreifen, um ihre religiösen Rituale heimlich beizubehalten. Sie tarnten ihre Rituale als Haushaltsaktivitäten oder sangen christliche Lieder zu alten afrikanischen voodooistischen Rhythmen. Die Sklaven beugten sich den christlichen Ritualen, lebten aber ihre Religion weiterhin unter dem christlichen Tarnmantel unbemerkt aus. Die Angst der Kolonialherren vor der voodooistischen Religion rührt daher, dass eine Vielzahl von Sklaven voodooistische Rituale zum Schaden ihrer Unterdrücker einsetzten. Ab dem 18. Jahrhundert gab es vermehrt blutige Auseinandersetzungen zwischen bekennenden Voodooisten und den konservativen Christen, die in einem Aufstand zahlreicher Kolonien gipfelte und schließlich zu der Unabhängigkeit Haitis um 1804 führte. Die katholische Kirche war jedoch nicht bereit, ihren Einfluss aufzugeben und verfolgte weiterhin sowohl die voodooistische Religion, als auch deren Vermischung mit dem Christentum. Mit dem Ende der Kolonialherrschaft und den zunehmenden Unabhängigkeitsbewegungen gelang es den ehemaligen Sklaven zumindest zum Teil zu ihren Traditionen und ihren religiösen Identitäten zurückzukehren.9

3.3 Gemeinsamkeiten einer Religion ohne Dogma


Wie alle Naturreligionen, so besitzt auch die voodooistische Religion weder ein einheitliches System noch eine dogmatische Schrift. Dennoch herrscht keineswegs Anarchie, denn die vielfältigen Ausprägungen weisen dennoch starke Gemeinsamkeiten auf, die aus den zahlreichen Strömungen eine einheitliche Religion ergeben. Eine geschlossene Glaubensgemeinschaft gibt es nicht, vielmehr teilen sich die Anhänger des Voodoo in einzelne Gruppen auf. Jede Gruppe verehrt eine bestimmte Tradition, eine heilige Figur oder einen Gott. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl an Götter, Geister von Vorfahren, Dämonen und Elementargeister. Die Besessenheit gehört in der voodooistischen Religion zur rituell vollzogenen Vereinigung mit einem Gott. Besessenheit hat hier nichts mit passivem Erleiden eines seelisch Kranken zu tun, es ist eine Ehre, von Göttern in Besitz genommen zu werden. Besessene, von Göttern während Trancezeremonien kurzzeitig eingenommene Menschen, sind im Voodoo hoch geehrt und werden von Kranken und Hilfesuchenden während der Trance befragt. Ein Besessener ist von da an sein Leben lang spirituell mit dem betreffenden Gott oder der Göttin verbunden. Auf der einen Seite sind die voodooistischen Rituale zwar ohne die Vermittlung von Eingeweihten durchführbar, auf der anderen Seite jedoch bliebe die Logik dahinter ohne den Einfluss bestimmter religiöser Führer völlig unklar. Daher ist die Rolle eines Voodoopriesters unabdingbar.10 Die Hohepriester der weißmagischen Voodooausprägung werden Houngan (männlicher Priester) und Mambo (weibliche Priester) genannt. Sie setzen die voodooistischen Rituale uneigennützig zum Wohle der Menschen ein. Die Bakor hingegen vertreten die schwarzmagische Ausprägung und verfolgen das Ziel, Macht und Reichtum zu erlangen. Dabei gehen sie höchst skrupellos vor und schrecken auch nicht vor Menschenopfern zurück.11 Als Personen des öffentlichen Lebens müssen die Hohepriester zahlreichen Pflichten und Erwartungen gerecht werden. Sie beraten ihre Gemeindemitglieder in allen Lebensbereichen und haben einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die kommunale Politik. Gleichzeitig muss der Hohepriester eine charismatische Persönlichkeit besitzen und als moralische Autorität in der Lage sein, schlichtend in Streitereien einzugreifen. Er muss heilkundig sein und über ausreichendes Wissen hinsichtlich der vielfältigen Rituale verfügen. Wenn ein Priester einmal versagt, verliert er sein Ansehen und muss damit rechnen, dass die Gläubigen ihn verlassen. Nicht jeder Gläubige kann zum Voodoopriester werden, denn der Titel wird entweder vererbt oder durch eine übernatürliche Berufung verliehen. Wer dann die Ehre hat, zum Priester berufen zu sein, geht bei einem erfahrenen Voodoo-Priester in eine mehrjährige Ausbildung und bekommt das komplette Wissen seines Stammes vermittelt, bis er eines Tages selbstständig agieren kann. Am Ende der Ausbildung wird ein neuntägiger Initiationsritus vollzogen, der eine symbolische Trennung vom alten Leben und die Geburt in ein neues spirituelles Leben darstellen soll. Während dieser Phase ziehen sich die Auszubildenden in einen meditativen und tranceähnlichen Zustand zurück und nehmen den Kontakt zu ihren Göttern auf. Die Träume, welche sie dort empfangen, sollen ihnen den Weg weisen und ihre zukünftige Aufgabe festigen. Nach Beendigung des Ritus, setzten sich die initiierten Voodoo-Priester auf einen Sessel, der dreimal in die Höhe gestemmt wird, während die Zuschauer lautstark applaudieren.12

4. Das voodooistische Pantheon


4.1 Götter des Voodoo


Im Voodoo spricht man nicht von einem Gott oder einer Göttin, sondern man nennt diese überirdischen Kreaturen gemeinhin Loa . Dieses Wort ist afrikanischen Ursprungs und bedeutet so viel wie geistiger Führer . Loas spielen eine zentrale Rolle in den Ritualen des Voodoo und manifestieren sich in diesen meist durch Besessenheit. Jedem Loa werden charakteristische Eigenschaften zugeordnet, sowie verschiedene Attribute. In einem Ritus werden den Loas Opfergaben, wie Früchte, Blumen, Getränke oder auch tierische Opfer dargebracht. Jeder Loa hat spezielle Präferenzen was die dargebrachten Gaben angeht. Dem Tier oder Blutopfer kam eine besondere Bedeutung zu: So opferten die naturverbundenen Anhänger des Voodoo beispielsweise mit einem Huhn, ein ausgewachsenes Tier, das sie vom Ei an aufgezogen haben. Dadurch ging mit der Opferung auch eine Art persönlicher Verlust einher, die jedoch nicht materielle Natur war. Der Loa nimmt von seinem Opfer lediglich die Essenz (Seele) auf und die körperlichen Überbleibsel (Fleisch) bleiben dem Opfernden zur Verwendung.13 Der Schöpfungsmythos des Voodoo erzählt, dass Bondye (zu Deutsch: der liebe Gott ) die Menschheit aus Erde und Wasser erschuf. Darauf beruht der voodooistische Glaube, dass ein Mensch nach seinem Tod wieder in seine Ausgangssituation zurückkehrt und abermals ein Teil der Erde wird. Der Mensch ist demnach ein beseeltes Element des Kosmos.
Bondye erschuf die Welt aus sich heraus und wurde selbst zu aller Materie. Er wird als Personifizierung des Lebens verehrt und steht über allen Menschen und Loas. Ihm werden ein hohes Maß an Ehre, Gerechtigkeit und Weisheit zugeschrieben. Für den Menschen ist er zwar
unerreichbar, aber da die Loas seine Kinder sind, kommuniziert man in gewisser Weise auch mit ihm. Die Loas wohnen in Bergen, Bäumen und auf dem Meeresgrund. Wenn sich die Voodooisten an die allwissenden Loas wenden, erscheinen die Gerufenen ganz direkt und persönlich, indem sie von einem menschlichen Körper Besitz ergreifen und diesen vorübergehend benutzen, um sich auszudrücken. Dabei nehmen sie für kurze Zeit am gesellschaftlichen Leben Teil und stehen den Menschen beratend zur Seite. Wenn die Loas von den Menschen Besitz ergreifen, werden diese erst steif und fallen dann zu Boden. Danach verwandeln sich die Menschen in den jeweiligen Loa und nehmen seine Gesichtszüge, Ausdrucksweisen und dergleichen an.14 Es gibt zwei Arten von Loas, nämlich die guten weißmagischen Rada-Loas und die bösartigen schwarzmagischen Petro-Loas. Das Interessante hierbei ist, dass Letztere den guten Loas keinesfalls als natürliche Gegner gegenübergestellt werden können. Vor der Kolonialisierung gab es nur die Rada-Loas, die anderen Loas entstanden aus der Not der Sklaven heraus. Sie sind die Personifizierung des Zorns sowie der Härte und Gewalt der grausamen Epoche, in der die Kolonialherren systematisch die afrikanische Kultur zerstörten. Erst mit Hilfe der Petro-Loas gelang es den Sklaven, sich in den Unabhängigkeitskriegen zu behaupten. Sie verkörpern aggressives Zielbewusstsein, Kampfesmut, Zorn, List, Grausamkeit und Heimtücke. Die Petro-Loas sind auch keine eigenständigen Loas, sondern viel mehr die Spiegelung der guten und reinen Rada-Loas, deren Eigenschaften ins Böse übertragen werden und um ein Vielfaches verstärkt werden. Während die Rada-Loas mittels rhythmischen Gesängen gerufen werden, erscheinen die Petro-Loas erst durch rasende und stampfende Tänze.15 Generell findet sich eine große Vielfalt unter den Loas. Manche sind laut und direkt, andere wiederum abstrakt und geheimnisvoll. Das Oberhaupt der Loas ist Damballah. Dieser Loa ist das erste Kind Bondyes und wird auch als Vater des Universums bezeichnet. Damballah vollbringt nur gute Taten und bringt den Gläubigen Glück, Trost und Hoffnung. Die Schlange wird als sein Symbol verstanden, weshalb ein von ihm besessener zischend spricht. Seine Gemahlin ist Aida-Wedo, die als Herrscherin des Himmels gilt und den Regenbogen als Symbol besitzt. Zusammen werden die beiden Loas auch als Schutzpatrone der Ehe angesehen. Ein anderer eher neutraler Loa ist Legba, der Hüter der Tore. Er ist das Bindeglied zwischen dem Reich der Menschen und der Loas und kann als einziger die Verbindung zwischen den beiden Welten herstellen. Legba repräsentiert die Sonne und das Licht, kann durch die Zeiten sehen und wird symbolisch durch das Feuer dargestellt. Wer die Loas anruft, muss erst Kontakt zu Legba aufnehmen, der daraufhin die Verbindung herstellt. Er ist weder gut noch böse und stellt einen neutralen Loa dar. Erzulie ist die Göttin der Schönheit, Liebe und Verführung. Sie ist die Verkörperung aller Frauen und so schön, dass jeder Mann von ihr träumt. Erzulie ist polygam und hat eine Vielzahl von Liebhabern. In einem Ritual erwartet sie immer das Beste vom Besten, z.B. Schmuck, elegante Kleider oder kostbare Parfums. Ein Medium, das von Erzulie besessen ist, führt einen verlockenden und betörenden Tanz aus, wiegt die Hüften, schmiegt sich an die Männer heran und küsst sie. Allen Männern verdreht sie den Kopf. Den Frauen schenkt sie nur wenig Aufmerksamkeit. Ihre Gefolgsleute belohnt sie mit ihrer Liebe. Ogoun hingegen ist der oberste Krieger unter den Loa. Er beherrscht Feuer, Blut, Eisen, Politik und Krieg. Dieser Loa ist der Schutzpatron der Schmiede, der Zivilisation und Technologie. Er ist mit dem Loa Erzulie verheiratet und besitzt einen Säbel oder eine Machete als Symbol. Als Patron aller pflanzlichen Heilmittel wird Loco verstanden. Er wird symbolisch durch einen Baum oder eine Blume dargestellt und besonders bei Heilungsritualen herbeigerufen. Der Loa Agwe beherrscht das Meer und wird als Schutzpatron für Schiffer und Seeleute verstanden. Er wird durch den Dreizack symbolisch dargestellt. Neben diesen Hauptgottheiten, gibt es noch diverse andere Loas, die sich allesamt regional oder innerhalb einer Sippe unterscheiden können. Aufgrund dieser Tatsache sind auch gar nicht alle Loas namentlich bekannt. Menschenopfer sind entgegen mannigfaltiger Vorurteile in der Regel kein Bestandteil des Voodooglaubens. Vielmehr greift man im Voodoo auf Rituale zurück, bei denen Tiere geopfert werden. Diese Tieropfer dienen einerseits der spirituellen Ernährung der Loas, als auch der Ernährung der Gläubigen.16

4.2 Dienende Geister


Die Voodooisten kennen neben den zahlreichen Loas auch diverse andere übernatürliche Wesen, die ihnen als dienende Geister hilfreich zur Verfügung stehen. Dabei ist auch der Fetischismus ein Teil dieser Religion. Dieser Begriff bezeichnet einen Glauben an übernatürliche Eigenschaften bestimmter auserwählter und selbst hergestellter Gegenstände unbelebter Art und deren Verehrung. In Ghana etwa ist der Antilopenfetisch weitläufig bekannt. Ausgestopfte Körperteile, vorzugsweise der Schädel, werden dahingehend genutzt, um die vorhandenen Energien zu verstärken und auf sich zu übertragen. Der Voodooist ist in diesem Fetisch darum bemüht, sich die Schnelligkeit und Geschicklichkeit dieses Tieres anzueignen. In dieser Form können auch andere Tiere verehrt werden. Die Elementale sind eine andere Gattung der dienenden Geister. Sie werden vom Menschen direkt erschaffen und kontrolliert. Dabei ist den Voodooisten klar, dass die Elementale auch schon einmal ein Eigenleben entwickeln oder unüberlegt handeln können. Daher ist der Erschaffer dieser Elementale hundertprozentig für deren Verhalten verantwortlich und haftbar zu machen. Der Erschaffer legt die individuellen Merkmale, wie Name, Geschlecht, Gestalt, Eigenschaften und Aufgabenbereiche seines Elementals selbstständig fest und kann diese mit Hilfe seiner magischen Fähigkeiten aus Licht und Energie erschaffen. Aufgrund der intensiven Anstrengungen ein Wesen aus dem Nichts zu erschaffen, wird diese Art der Beschwörung nur äußerst selten verwendet.17 Die Erschaffung von Zombies hingegen gehört sowohl zu den bekanntesten, als auch zu den beliebtesten Beschwörungsformen hinsichtlich der Erschaffung dienender Geister. Der Begriff Zombie bezeichnet die Figur eines zum Leben erweckten Toten oder eines seiner Seele beraubten, willenlosen Wesens. In der zentralafrikanischen Sprache bedeutet Zombie so viel wie Totengeist . Es ist eine historische Tatsache, dass die Menschen schon immer Angst davor hatten, dass die Toten zurückkehren und ihnen etwas antun könnten. Noch bis ins 18. Jahrhundert herrschte auch in der mitteleuropäischen Bevölkerung große Angst vor dem Wiederkehren Verstorbener. So war es ein Bestandteil der Totenwache, einen vermeintlichen Verstorbenen zu erschlagen, wenn er sich von dem Totenbett erheben sollte. Dies kam sehr häufig vor, denn die Methoden zur Feststellung des Todes waren noch recht unzuverlässig und vor Irrtümern nicht gefeit. Zombies sind ein wichtiger Bestandteil im voodooistischen Pantheon. Dem Glauben nach kann ein Voodoo-Priester einen Menschen mit einem Fluch belegen, worauf dieser dann stirbt. Tage später kann er den Toten dann wieder zum Leben erwecken. Dieser wird dann als willenloser Arbeitssklave missbraucht. Es gibt verschiedene Theorien über eine reelle Erschaffung eines Zombies. Eine gängige Theorie spricht von einem speziellen Pulver, das bei einem Opfer einen hirntodähnlichen Zustand auslöst. Es könnte mit Juckpulver vermischt und auf die Haut des Opfers geblasen werden, so dass das Opfer das Gift in kleinen Wunden beim Kratzen aufnimmt. Die Wirkung des Giftes, das in etwa der Zusammensetzung des Kugelfisch-Giftes Tetrodotoxin entspricht, setzt sofort ein und ruft schnell krankheitsähnliche Symptome hervor, an denen das Opfer scheinbar stirbt. Ohne die hochtechnologische Ausrüstung heutiger moderner Krankenhäuser kann nicht festgestellt werden, dass sich das Opfer nur in einem komatösen Zustand befindet. In dem Glauben, dass dieser Mensch nun tot sei, wird er begraben. Nach einer bestimmten Zeit taucht der Voodoo-Priester am Grab auf, wo er sein Opfer ausgräbt und ihm ein Gegenmittel verabreicht. Die toxischen Gegenmittel, wie die giftigen Substanzen der Tollkirsche, Alraunen oder Stechäpfel rauben dem Betroffenen beim Aufwachen sowohl seine Sinne, als auch seine Willenskraft. Häufig wird das Opfer begleitend zur Verabreichung des Giftes von den Gehilfen des Priesters verprügelt und durch andere Anwendungen von Gewalt und Einschüchterung von seiner neuen Rolle als Zombie überzeugt. Der Zombie ist seinem neuen Herren hörig und kann ab sofort Schwerstarbeiten verrichten. In Haiti ist die Angst vor solchen Wiederbelebungen noch so stark verbreitet, dass ein Verstorbener oftmals vergiftet, mit einem Pfahl erstochen oder zerstückelt wird. Es kommt auch vor, dass die Gräber noch tagelang von Angehörigen bewacht werden. Der Paragraph 246 des Haitianischen Strafgesetzbuches regelt das Vorgehen gegen Personen, die andere Menschen zu Zombies machen.18

4.3 Voodoo-Puppen


Ein bekannter, aber meist übertrieben dargestellter Brauch ist das Herstellen von Voodoo-Puppen, die oft einem bestimmten Menschen nachgebildet sind. Es mag sein, dass in der Zeit der Unabhängigkeitskriege viele Rituale dämonisiert und gegen die Kolonialherren gerichtet wurden, jedoch ist es ursprünglich kein Ritual, um einem Menschen dauerhaft zu schaden.
Voodoo-Puppen werden bevorzugt aus Ton oder Stoff hergestellt. Die Voodoo-Puppen werden für jeden Zauber auf die gleich Weise hergestellt. Sie werden geformt, angezogen und mit einem persönlichen Gegenstand der zu verzaubernden Person versehen. Zum Schluss wird der Name der Person entweder eingeritzt oder man hängt der Puppe ein Namensschildchen um. Manchmal wird auch ein Foto auf den Kopf der Puppe aufgeklebt. Durch das Stechen in die Puppe oder sogar regelrechtes Durchbohren mit Nadeln können dem Betroffenen Schmerzen zugefügt werden. Meistens geht es jedoch um das Heilen von Krankheiten oder Beeinflussen von Umständen, auf die der Mensch keine direkte Kontrolle hat (Liebe, Reichtum, Glück etc.). Dieses Verfahren wurde zum ersten Mal von Priestern in Haiti verwendet. Die Voodoo-Puppen sind aus einer Not heraus entstanden, da die Sklaven bei den Sklavenhändlern keinen Voodoo praktizieren durften. Entsprechend waren aus Holz geschnitzte Abbildungen der Gottheiten oder Dämonen verboten. Folglich tarnte man Gottesabbilder als Puppen. 19

4.4 Dämonen und Elementargeister


Die voodooistische Religion kennt noch eine ganze Reihe meist übernatürlicher neutraler Erscheinungen, welche das Schicksal der Menschen beeinflussen können. Sie greifen selten aktiv in das irdische Geschehen ein, können aber von den Menschen zum aktiven Eingreifen beeinflusst werden. In der Religion des Voodoo stellen Dämonen Hüter der Gerechtigkeit und Vollstrecker des Schicksals dar. Sie prüfen das Seelenleben der Menschen und schaden ihnen erst dann, wenn sie bei den Menschen ein hohes Maß an Schlechtigkeit vorfinden. Wenn ein Mensch dem anderen zu viele negative Absichten entgegenbringt, lügt oder betrügt, dann werfen die Dämonen die Schlechtigkeit auf ihn zurück. Voodoo-Priester müssen über eine allgemeine innere Stärke und Aufrichtigkeit verfügen, um die Anrufung eines Dämons unbeschadet zu überstehen, ansonsten kann der Priester körperlichen oder seelischen Schaden erleiden. Einige Dämonen entstehen, wenn der Mensch sein emotionales Gleichgewicht verliert oder seine Gefühle nicht ausreichend auslebt. Die unterdrückten Energien manifestieren sich zu einem Dämon und fügen dem Urheber aber auch den Menschen in seiner Umgebung erheblichen Schaden zu.20 Es existieren auch Werwölfe und Vampire im Voodoo. Was die Werwölfe betrifft, so gehen die Voodooisten mehrheitlich davon aus, dass es sich dabei um Frauen handelt, die entweder einen vererbten Fluch in sich tragen oder aber von einem Dämonen bestraft wurden und selbst zu einem halben Dämon wurden. Sie verwandeln sich jede Nacht in einen übergroßen Wolf, um arglose Menschen zu jagen und zu töten. 21 Vampirisch lebend Geister hingegen ernähren sich von der Lebensenergie, selten auch vom Blut ihrer Opfer. Sie entstehen, wenn die Seele eines Menschen nach dem Tode keine Ruhe findet oder er zu Lebzeiten neidisch und missgünstig war. Elementargeister unterscheiden sich von den Dämonen dahingehend, dass sie die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde beherrschen und eine Art Verwalter darstellen. Ihre Existenz dient der Erhaltung der Natur und des Lebens. Sie sind dem Menschen gegenüber grundsätzlich freundlich gestimmt, können aber auch rachsüchtig und grausam sein, wenn ihren elementaren Bereichen Schaden zugefügt wird. Die Wesen des Wassers etwa hüten und beschützen alle Gewässer und halten sowohl das Gleichgewicht, als auch die Harmonie aufrecht. Typische Erscheinungsformen sind Nixen (Meerjungfrauen), Nymphen von geisterhafter Erscheinung oder schemenhafte Sirenen. Wer einen Pakt mit diesen Wasserwesen eingeht, kann die Gabe der Hellseherei erlangen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass sie dem Menschen Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit verleihen. In den Aufgabenbereich der Wesen des Feuers fallen die Beschränkung und Eindämmung von Feuersbrünsten. Sie werden oftmals als Salamander oder schemenhafte Geister verstanden. Die Voodooisten gehen davon aus, dass die Feuerwesen dem Menschen lebensschaffende oder zerstörerische Kräfte verleihen können. Unter Wesen der Luft verstehen die Voodooisten entweder schemenhafte Geister oder fliegende Feen in Menschengestalt. Ihnen obliegen der Erhalt der Natur und die Versorgung der Pflanzen mit Lebenskraft. Da die Telepathie und die Allwissenheit die hauptsächliche Gabe dieser Wesen ist, kann es sein, dass die Menschen einen Bruchteil davon abbekommen, wenn sie sich auf diese Wesen einlassen. Die Wesen der Erde kümmern sich um die Fruchtbarkeit der Erde und formen die Höhlen und Gebirge. Da sie in Form von Kobolden und Trollen unterhalb der Erde leben, hüten sie die unterirdischen Schätze. Sie sind äußerst neugierig, interessieren sich für die Gebräuche der Menschen und leben oftmals unentdeckt unter ihnen. Sie gelten als Schutzpatrone des Handels und Handwerks und werden bei Heilverfahren zur Rate gezogen.22

5. Schlussbetrachtung



5.1 Begegnungen mit Christentum


Es grenzt nahezu an ein Wunder, dass die Religion Voodoo unter den historischen Umständen überhaupt noch existiert. Trotz der intensiven Unterdrückung, Verfolgung und Verleumdung, schafften es die damaligen Sklaven, ihre religiösen Rituale heimlich beizubehalten. So passten sie sich an die katholischen Feiertage an und lebten ihre Rituale an diesen Tagen völlig legal aus. Die Voodooisten sangen christliche Lieder zu alten afrikanischen Rhythmen. Die Voodoo-Gottheiten waren zwar verboten, doch fand man auch hier Mittel und Wege sich die Schlupflöcher zu Nutze zu machen. Da der Schöpfergott Bondye allgegenwärtig, jedoch unerreichbar für Menschen und Loas ist und keinerlei Zeremonien für seine Anrufung existieren, gerieten die versklavten Voodooisten niemals in einen Zwiespalt, wenn es darum ging den christlichen allgegenwärtigen Gott zu ehren. Die Voodooisten verstanden es, sich mit den christlichen Bestandteilen zu arrangieren und unter dem Deckmantel des Christentums ihre Loas anzurufen. Die katholischen Heiligen wurden im Voodoo dementsprechend als Personifizierung der Loas verehrt. Daher fiel es den Sklaven nicht schwer, den christlichen Kolonialherren eine gelungene Missionierung vorzugaukeln, während sie in Wirklichkeit noch immer ihre Loas anbeteten. Ein bekanntes Beispiel ist die Assoziation des Loas Legba mit dem Heiligen Petrus. Während Legba im voodooistischen Glauben die Brücke zwischen der Welt der Loas und der Menschen darstellt, ist Petrus im christlichen Glauben der Hüter der göttlichen Himmelspforte. Der Apostel Jakob wurde zur Personifizierung des Loas Ogoun und Damballah wurde gegen Moses ausgetauscht. Die katholischen Kolonialherren bekamen diesen Trend zwar mit, konnten jedoch nichts dagegen unternehmen, ohne ihrer eigenen Religion zu schaden.23

5.2 Schlussbemerkung


Es war sehr interessant, sich mit dieser komplexen Thematik auseinanderzusetzen, zu mal es festzustellen ist, dass sich die voodooistische Religion zwar vom Christentum stark unterscheidet, jedoch eine sehr starke Ähnlichkeit mit den Sagen und Märchen des westlichen Kulturkreises aufweist. Es wurde von den europäischen Ländern lange Zeit außer Acht gelassen, dass sich die Afrikaner zwar vom Aussehen her von den Weißen unterscheiden, jedoch ebenso stark kulturell und religiös geprägt sind, wie alle Menschen. Jeder Mensch wird durch die dieselbe spirituelle Macht durchdrungen und es ist ein hohes Maß an gegenseitiger Toleranz nötig, damit die Kulturen sich gegenseitig respektieren, ohne einander zu bekämpfen oder einem anderen seinen Glauben aufzuzwingen. Wir können nur versuchen gemeinsam mit den Afrikanern herauszufinden, wie man die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit der afrikanischen Spiritualität verbinden kann, um Menschen hier wie dort wirksam zu helfen.

6. Fußnoten


1 Quelle: vgl.: Lademann-Priemer, Gabriele:Voodoo (02.05.09)

2 Quellen: vgl. Hirschberg,Walter: Neues Wörterbuch der Völkerkunde, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1988 und Thiel, Franz Josef: Religionsethnologie, Grundbegriffe der Religionen schriftloser Völker, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1984

3 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 29-30 und Welten-Verlag,Voodoo-Magie für die Freiheit (01.05.09)
4 Quelle: vgl. Auswärtiges Amt Alle Länder von A-Z: Benin (01.05.09)

5 Quelle: vgl. Auswärtiges Amt, Alle Länder von A-Z: Togo (01.05.09)

6 Quelle: vgl. Auswärtiges Amt, Alle Länder von A-Z: Ghana,(01.05.09) und Sittek, Jürgen: Philosophie und Religion(01.05.09)

7 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 30-33 und Welten-Verlag, Voodoo-Magische Wirkung der Naturkräfte, (01.05.09)

8 Quelle: vgl. Mbiti, John S.: Afrikanische Religion und Weltanschauung, Walter de Gruyter Verlag, Berlin 1974, S. 1-7

9 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 29-76 und Welten-Verlag, Voodoo-Magie für die Freiheit, (01.05.09)

10 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 151-152

11 Quelle: vgl. Krebes-Klug, Valerie, Houngan und Bakor(01.05.09)

12 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 153-164

13 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 79-81 und Welten-Verlag, Voodoo-magische Wirkung der Naturkräfte(01.05.09)

14 Quelle: vgl. Welten-Verlag, Voodoo und seine Loas (01.05.09)

15 Quelle: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 79-87

16 Quellen: vgl.: Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 90-130 und Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000, S. 20-64

17 Quelle: vgl. Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000, S. 67-80

18 Quellen: vgl. Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000, S. 81-88 und Davis, Wade: Schlange und Regenbogen. Die Erforschung der Voodoo-Kultur und ihrer geheimen Drogen, Knaur-Verlag, München 1988

19 Quellen: vgl.: Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 252-287 und Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000, S. 89-111

20 Quelle: vgl. Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000, S. 111-126

21 Quelle: vgl.: Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 297-304

22 Quelle: vgl. Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000, S. 120-135

23 Quellen: vgl. Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999, S. 143-147 und Lademann-Priemer, Gabriele:Voodoo (02.05.09)

7. Literatur- und Quellenverzeichnis


Auswärtiges Amt:Alle Länder von A-Z: Benin (01.05.09)

Auswärtiges Amt:Alle Länder von A-Z: Togo (01.05.09)

Auswärtiges Amt:Alle Länder von A-Z: Ghana (01.05.09)

Bandini, Pietro: Voodoo, Knaur-Verlag, Mainz 1999

Davis, Wade: Schlange und Regenbogen. Die Erforschung der Voodoo-Kultur und ihrer geheimen Drogen, Knaur-Verlag, München 1988

Hirschberg, Walter: Neues Wörterbuch der Völkerkunde, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1988

Krebes-Klug, Valerie:Houngan und Bakor (01.05.09)

Lademann-Priemer, Gabriele: Voodoo (02.05.09)

Mbiti, John S.: Afrikanische Religion und Weltanschauung, Walter de Gruyter Verlag, Berlin 1974

Owusu, Heike: Voodoo-Rituale, Schirner-Verlag, Darmstadt 2000

Sittek, Jürgen: Philosophie und Religion (01.05.09)

Thiel, Franz Josef: Religionsethnologie, Grundbegriffe der Religionen schriftloser Völker, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1984

Welten-Verlag, Voodoo(01.05.09)

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